Der Atem der Schmiede
Rund um Dominique Bertrand & Claire Gillie
Dominique Bertrand ist ein langjähriger Weg und Ohrengefährte ; zusammen haben wir unser Gehör geschärft, zu Zeiten von « Insistance », als Alain Didier-Weill uns aufforderte, von Anderswo zu hören. Atem des Beharrens, Atem im Chor... der pulsiert und antreibt, vom Innersten des Körpers bis zum Nabel des Wortes. Die Dogon hatten das verstanden, Volk des Risses, das die Bresche zum « sujet barré » - zum ausgesperrten Subjekt - öffnete. Auf uns, auf Sie zu.
Der Atem der Schmiede
Dem Atem zuhören. Dieses feine Rauschen der Stille, das im Hintergrund aller Worte steht. Von Indien über die Bibel bis hin zur mittelalterlichen Alchemie sprechen viele Legenden und Traditionen von ihm als DEM Geheimnis, DEM Schlüssel, der alle Türen des psychischen Labyrinths öffnen kann, indem er seine verborgenen Mächte, seine Tugenden und seine Gefahren enthüllt. Wurzel des Wortes Esprit (respir), eröffnet der Atem weite Perspektiven, bis hin zur schwindelerregenden poetischen Schöpfung, der Trance und der Ekstase. Im krassen Gegensatz dazu steht die sehr konkrete "Atemnot", die Covid verursacht hat - diese Welle aus dem Osten, deren "I can't breathe" die atemberaubende Ebbe aus dem Westen war -, die plötzlich zu einem globalen Symptom wird und zum Nachdenken einlädt: Was ist mit unserem Atem? Was machen wir mit ihm, wenn er nicht nur zum Atmen dient, sondern die lebendige Quelle unseres Geistes ist? Aus dieser Spannung zwischen uralten Legenden und beunruhigender Realität entstand die Idee eines Teledialogs mit Claire Gillie, Spezialistin für das Hören der Stimme in all ihren Facetten und die es versteht, Musik, Poesie, Psyche und Sprache auf eine sehr Hermes'sche Art und Weise zu verbinden. Um den symbolischen Raum so weit wie möglich zu öffnen, werden wir von der Schmiede ausgehen, in der Pythagoras die Grundgesetze der Musik vibrieren hörte, von der Legende von Jericho, die den Atem und die Umkehrung der Zeit miteinander verknüpft, sowie von der anatomischen Struktur des Ohrs, um das Rätsel des Hörakts zu ergründen. Da es hier ganz konkret darum geht, dem zuzuhören, was das Hecheln uns zu sagen hat, wissen weder Claire noch ich, zu welchen Ufern der Sprache uns dieser Dialog führen wird. Aber die Unvorhersehbarkeit der Sprache wird es uns ermöglichen, Atem zu schöpfen und - wer weiß? - uns dabei zu ertappen, Dinge zu sagen, die wir noch nicht einmal gedacht haben.
Dem roten Faden der Stimme folgend hat Claire das CNRS durchlaufen, die Fakultät, an der sie lehrte, die Lehre Lacans, dessen subtile Zuhörerin sie war, die Praxis der Psychoanalyse, in Verbindung mit den Fortschritten der biologisch-klinischen Forschungen im Bereich der Stimme. Innerhalb der Criva - einer Forschungsgruppe, deren Gründerin sie ist - betreibt sie eine offene anthropologische Forschung, die mit der Stimme den Gesprächsverkehr zwischen Subjekten in den Mittelpunkt der menschlichen Fragestellung stellt. Ich habe sie bei Alain Didier-Weill kennengelernt, in diesem Mikrolabor namens Insistance, wo Psychoanalytiker, Künstler und Philosophen sich auf die Trampelpfade der Sprache vorwagten, wo ich lernte, die Grenze allen Denkens zu denken, eine Erfahrung, die nur in der Musik möglich ist.

